Dr. Vijai S Shankar MD.PhD.
Published on www.academy-advaita.com
The Netherlands
3 Juni 2016

Was wir wissen

„Unwiderlegbar“

 

Der Mensch ist bemüht zu vermitteln, dass er wissend ist. Der Mensch ist sich sicher, wissend zu sein, und es beschämt ihn, wenn er zugeben muss, etwas nicht zu wissen. Der Mensch wünscht sich nicht, dass man ihn in der Gesellschaft als den Unwissenden kennt.

Was wir wirklich wissen, kann man nicht leugnen, weil Leugnen beweist, dass wir in der Tat wissen, um leugnen zu können. Wir sind stolz auf das, was wir wissen, und es ist natürlich, wenn wir uns wünschen mehr zu wissen.

Mehr zu wissen wird mit Applaus aufgenommen und das ist der Grund, warum wir darauf konditioniert sind, mehr zu wissen. Der konditionierte Stolz in uns hält das, was wir wissen, für selbstverständlich. Wir halten das, was wir wissen, für selbstverständlich, weil wir uns nur dessen bewusst sind, was wir wissen, uns jedoch nicht klar ist, wie wir das Wissen erlangt haben. Wären wir uns darüber im Klaren, was wir wissen, würden wir auch verstehen, wie wir wissen, und die Art und Weise, wie wir wissen, könnte ebenfalls nicht geleugnet werden.

Wir glauben, wir wüssten genau, was wir sagen wollen. Wir müssen über diesen Glauben tief nachdenken, um zu verstehen, dass wir nicht exakt wissen, was gesagt wurde, vor der Behauptung, dass wir genau wissen, was wir sagen wollen, wenn wir es sagen. Wir kennen mit Sicherheit niemals den exakten Gedanken, bevor er als Gedanke in Erscheinung tritt, nein, wir kennen ihn erst, nachdem er in Erscheinung getreten ist. Wüssten wir ihn davor, würden wir ihn einfach daran hindern zu kommen, wenn es sich um einen Gedanken handelt, den wir nicht wollen, doch jeder weiß, das ist unmöglich. Entsprechend erzeugen wir den Gedanken nicht, den wir sagen wollen. Wenn er kommt, glauben wir genau zu wissen, was wir sagen wollten.

Der Mensch kennt den ersten Gedanken nicht, den er an einem Tag haben wird. Er erinnert sich auch nicht an den letzten Gedanken des Tages, bevor ihn der Schlaf überwältigt. Das Leben lässt den Menschen den ersten Gedanken des Tages wissen wie auch die Gedanken für den Rest des Tages. Das Leben gibt ihm keine Erinnerung an den letzten Gedanken des Tages. Der Mensch ist nicht der Denkende.

Die Erleuchteten haben verkündet, dass der Mensch das Wissen erlangt, was ihm bestimmt ist zu wissen, was impliziert, dass er sagen wird, was bestimmt ist gesagt zu werden. Wenn sich dieses Verständnis in uns festigt, werden wir dem Leben für das wertvolle Geschenk dankbar sein, und zwar: Was wir wissen, ist natürlich und der Mensch kann weder die Natur noch das, was wir wissen, erzeugen.

Autor: Dr. Vijai S. Shankar
© Copyright V.S. Shankar 20i6

Anmerkung des Herausgebers:
Wie oft in unserem täglichen Leben haben wir uns schon sorgfältig auf ein Treffen oder auf eine Rede vorbereitet, ja selbst wenn wir einfach einen Freund treffen? Die zu verwendenden Worte wurden ausgewählt, auswendig gelernt oder niedergeschrieben, damit wir präzise wissen, was wir sagen würden. Wie oft wurde allerdings diese Vorbereitung vollkommen ersetzt durch das, was neu und frisch und für den Zuhörer sowie besonders auch für den Sprecher erbaulich ist? Lasst uns das Geschenk des Lebens, die Spontaneität, genießen.
Julian Capper, Großbritannien. 

Anmerkung des deutschen Übersetzers:
Etwas auswendig lernen ist dasselbe wie es zu einem Teil unseres Wissens zu machen. Vom ersten Gedicht, das wir in der Schule lernen müssen, wenn wir noch sehr jung sind, glauben wir an unsere Fähigkeit, etwas zu wissen, und Wissen anzuhäufen durch unseren Willen und unsere Entscheidung. Wenn man allerdings ein Gedicht lernt, wann ist dann der genaue Moment, wenn das Lernen vorbei ist und sich das Gedicht nun in unserem Kopf befindet, sozusagen? Wir können das niemals wissen, denn nur wenn man sich daran erinnert, wäre dies ein Beweis des erfolgreichen Lernens. Das Leben ist spontan und lässt uns als der Denkende, der Wissen ansammelt, erscheinen. Das Leben weiß nichts und lässt uns dennoch glauben, wir könnten etwas wissen, im menschlichen Verstand. Was für eine tiefe Einsicht, die uns in diesem wunderbaren Artikel hier vom Erleuchteten präsentiert wird.
Marcus Stegmaier, Deutschland.

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